care | So integrierst Du Retinol in Deine Hautpflege

Schöne Haut ist nicht nur das Ergebnis guter Gene. Wie unsere Haut aussieht, hat auch viel mit Ernährung Lebensstil und natürlich Hautpflege zu tun. Vor allem bei der Hautpflege kann man oftmals mehr tun, als sie „nur“ zu pflegen. Eine durchdachte Pflegeroutine, die zum einen Hautzustand passt und in der sich verschiedene potente Inhaltsstoffe ergänzen, kann dabei helfen bestimmte Anliegen optimal zu adressieren. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Anwender*innen der Wirkstoffkosmetik zuwenden. Hautpflege soll nicht länger nur den Status quo pflegen und beibehalten, im Idealfall soll der individuelle Hautzustand auch verbessert werden.

Der Einstieg in die Wirkstoffkosmetik

Mit die häufigsten Fragen oder Rückmeldungen zu Wirkstoffkosmetik erreichen mich nach wie vor zu den Themen chemische Peelings und Retinol. Sie gehören jeweils zu den eher potenten Maßnahmen, die man im Bereich der Hometreatments selbst anwenden kann. Zahlreiche Hersteller bieten inzwischen niederschwelligen Zugang zu entsprechenden Produkten und dennoch bestehen bei den Nutzer*innen oftmals Fragen über den Einstieg und die Art der Anwendung, nicht selten sogar Skepsis oder auch Respekt. Zwar braucht niemand übertriebene Angest haben, ganz unbedarft sollte man Wirkstoffkosmetik aber auch nicht anwenden. Wenn man jedoch ein paar Hinweise berücksichtigt, bietet Wirkstoffkosmetik jedoch weitaus mehr Vorteile als Nachteile.

Wirkstoffkosmetik, Hautpflege mit Retinol So integrierst Du den Power-Inhaltsstoff in Deine Pflegeroutine

Retinol in der Hautpflege

Nun aber zu Retinol! Mit dem Vertreter aus der Vitamin A-Reihe handelt es sich um einen der am besten und längsten erforschten Inhaltsstoffe der Dematologie. Die Wirksamkeit von Retinol bei der Behandlung von Akne und Unreinheiten ist vielfach klinisch und nicht zuletzt empirisch erwiesen. Was im Zuge der zahlreichen Studien auffiel: die untersuchten Studienteilnehmer zeigten eine Milderung von Fältchen, eine Reduktion der Faltentiefe sowie eine Verbesserung der Hautbeschaffenheit. Diese Entdeckung hat Retinol schließlich einen festen Platz im Bereich Slow- und Anti-Aging beschert.

Alle Hintergrundinformationen über Retinol in der Dermatokosmetik findet Ihr auch im passenden INCI-Wiki. In diesem Artikel soll es nun etwas praktischer werden – also legen wir los!

Bei welchen Hautzuständen kann Retinol genutzt werden?

Retinol ist ein wirkssamer Inhaltsstoff zur Behandlung von Akne und unreiner Haut. Darüberhinaus eignet es sich vor allem zur Pflege von Haut, die Fältchen, Falten oder Hyperpigmentierungen (Altersflecken) zeigt – ob diese nun in Zusammenhang mit dem natürlichen Alterungsprozess der Haut entstanden sind oder durch UV-Strahlung („Photoaging“) hervorgerufen wurden, spielt keine Rolle.

Die Retinol-Wirkungen im Überblick

Verbesserung der Hautstruktur:
durch Reorganisation von geschädigten Elastinfasern,
sowie von Kollagenfasern des Typ-I und Typ-III gewinnt die Haut an Elastizität und Festigkeit.

Anregung der Zellproliferation:
dies fördert Regenerationsprozesse der Haut.

Fördert das Ablösen abgestorbener Hautzellen im Bereich der Hornschicht der Haut.

Mildert das Erscheinungsbild von
(Akne-)Narben, lässt Pickel- oder Entzündungsmale besser abklingen.

Reduziert Zeichen der UV-induzierten Hautalterung:
Falten, Pigmentstörungen und Elastizitätsverlust.

Reduziert die Bildung Enzymen,
die negativen Einfluss auf Hautstrukturen und -proteine haben.

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Welche Produkttypen mit Retinol gibt es?

Retinol trifft man zumeist in Seren oder Cremes an. Entscheidend ist eine Fettbasis, da Retinol ein fettlöslicher Stoff ist. Zumeist sind in Seren etwas höhere Retinolkonzentrationen anzutreffen, während in Cremes geringere Konzentrationen eingesetzt werden. Dies liegt unter anderem daran, dass Seren oftmals für dezidierte Anliegen konzipiert sind, während Cremes vor allem Allrounder-Produkte sind, die unkompliziert und ohne viel Nachdenken verwendet werden sollen. Daher eignen sich für den Einstieg in die Wirkstoffkosmetik mit Retinol vor allem Cremes, bevor schließlich im nächsten Schritt die höher konzentrierten Seren zum Einsatz kommen.

In Pflegekosmetika für Home-Treatments sind laut EU Kosmetikverordnung Retinolkonzentrationen bis maximal 1% zulässig. Höhere Konzentrationen dürfen nur von Experten im medizinisch-dermatologischen Bereich sowie von Kosmetiker*innen angewendet werden.

Wenn man bisher noch keine Erfahrungen mit Retinol hat, tauchen oftmals folgende Fragen auf: wie mit Retinol beginnen, welche Konzentration verwenden, welches ist das passende Produkt für mich und was unternehme ich bei Nebenwirkungen? Daher gehen wir die Sache nun mal systematisch an!

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Wie integriert man Retinol in die bestehende Pflegeroutine?

Anfangsphase

Oftmals bietet es sich an, die ersten 6-8 Wochen sehr niedrige Retinolkonzentrationen zu verwenden. Das kann z.B. so aussehen, dass man grundsätzlich ein Produkt mit niedriger Retinolkonzentration wählt, beispielsweise eine retinolhaltige Feuchtigkeitspflege. Ebenfalls denkbar wäre es, Seren mit mittlerer und niedriger Konzentration zu nutzen und diese in die bestehende Feuchtigkeitspflege zu mischen. Dies verdünnt das Retinolprodukt und man vermeidet, es auf einzelnen Stellen eventell ungleichmäßig oder zu „dick“ aufzutragen.

Anwendungshäufigkeit

Jedes Retinolprodukt sollte langsam in die Routine eingeschlichen werden. Das heißt, das fragliche Produkt zunächst nur 1-2x pro Woche anwenden. Wenn dies gut vertragen wird, kann die Anwendungshäufigkeit nach 3-4 Wochen gesteigert werden. Dies gilt übrigens unabhängig von der Konzentration, weshalb sich festhalten lässt, dass jedes neue Retinolprodukt zunächst nur schrittweise in die Routine integriert werden sollte. Denn oftmals zeigen sich die Wirkungen einer zu hohen Retinolkonzentration mit 2-4 Tagen Zeitverzögerung. Also der eigenen Haut Zeit lassen und sie genau beobachten.

Anwendungszeitpunkt

Retinol idealerweise im Rahmen der Abendroutine anwenden. Das hat zwei Gründe – zum einen ist Retinol instabil gegenüber UV-Strahlung, d.h. tagsüber könnte es sein, dass ein Teil des Retinols unter Sonneneinstrahlung geschädigt wird und der Inhaltsstoff somit einen Teil seiner Wirksamkeit verliert. Zum anderen regenieriert die Haut über Nacht. Wenn es also nach Verwendung eines retinolhaltigen Produkts kurzfristig doch mal zu Irritationen kommt, so stehen die Chancen gut, dass sich dies bis zum nächsten Morgen legt.

Erhaltungsphase

Die Wirkungen von Retinol zeigen sich vor allem „in the long run„. Es lohnt sich also am Ball zu bleiben und Retinol als dauerhaften Bestandteil der eigenen Routine zu integrieren. Auch hier gilt: die eigene Haut zu beobachten. Daher gibt es auch kein Patentrezept für die Retinolkonzentration und die Anwendungshäufigkeit. So reicht es bei manchen aus, 1x wöchentlich ein Serum mit 1% Retinol zu verwenden, andere fahren besser mit deulich niedrigeren Konzentrationen, die dafür aber häufiger eingesetzt werden. Das Gute und Entscheidende an Retinol ist, dass nicht immer die höchste Konzentration auch automatisch die beste Wirkung verspricht. Es gilt vielmehr ein Produkt zu finden, das sich dauerhaft ohne begleitende Irritationen verwenden lässt. So können schließlich auch Produkte mit niedrigen und mittleren Retinolkonzentrationen einen deutlichen Benefit für die Haut liefern.

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Moisturizer / Nachtcremes mit Retinol

Feuchtigkeitscremes mit Retinol eignen sich perfekt für den Einstieg. Hier sind die Konzentratioenen derart gering, dass Irritationen selbst bei täglicher Anwenung nicht zu erwarten sind. Es bietet sich an, zunächst eine Packungsgröße des jeweiligen Produktes zu verbrauchen und erst dann den nächsten Schritt hin zu retinolhaltigen Seren oder Treatments zu nehmen.

Feuchtigkeitscremes mit Retinol, gut geeignet für die tägliche Anwendung und für den Einstieg

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Für Einsteiger: Pflegeprodukte mit niedrigen Retinolkonzentrationen (<0,1% Retinol)

Produkte mit weniger als 0,1% Retinol eignen sich für die regelmäßige und unkomplizierte Anwendung. Zudem bieten sie einen guten Einstieg, wenn man im späteren Verlauf höher konzentrierte Retinolprodukte anwenden möchte.

Pflegeprodukte mit niedrigen Retinolkonzentrationen für den Einstieg: Missha Time Revolution Night Repair Probio Ampoule, Paula's Choice Skin Recovery Super Antioxidant Concentrate Serum, Paula's Choice Skin Recovery Super Antioxidant Concentrate Serum, Zoila Night Repair Serum

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Für die regelmäßige Anwendung: Pflegeprodukte mit mittleren Retinolkonzentrationen (0,1-0,5% Retinol)

Mittlere Retinolkonzentrationen bieten sich an, wenn die Haut zuvor bereits mit niedrigeren Retinolkonzentrationen konfrontiert wurde. Da die Haut in diesem Falle bereits einen Teil der abgestorbenen Hornzellen losgeworden ist und sich Neubildung und Abwurf der Hornzellen in einem gewissen Gleichgewicht befinden, sollten es keine Probleme mit übermäßig schuppenden Hautstellen geben. Wer jedoch direkt mit mittleren Retinolkonzentrationen einsteigt, sollte dies entsprechend einschleichen.

Alle der nachfolgend genannten Produkte eignen sich je nach Verträglichkeit für die regelmäßige Anwendung ca. jeden 2. bis 3. Tag. Zum Einstieg die Produkte ggf. mit der Nachtpflege mischen.

Pflegeprodukte mit mittlerer retinolkonzentration: La Roche Posay redermic R Retinol Serum, Revolution Rosehip Oil with Retinol, SkinCeuticals Retinol 0.3, The Ordinary Retinol in Squalane, Dermalogica Overnight Retinol Repair

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Für Fortgeschrittene: Pflegeprodukte mit hohen Retinolkonzentrationen (>0,5% Retinol)

Hohe Retinolkonzentrationen sind nicht automatisch das Maß aller Dinge – vorallem dann nicht, wenn sie nicht gut toleriert werden. Wer dennoch hohe Retinolkonzentrationen anwenden möchte, wird unter den nachfolgend gezeigten Beispielen potente produkte finden. Diese sollten nicht als Einsteigerprodukte verwendet werden, stattdessen eignen sie sich für Haut, die bereits einige Erfahrung mit Retinol hat.

Pflegeprodukte mit hohen Retinolkonzentrationen bis 1%: Alpha-H Vitamin A Serum, Paula's Choice 1% Retinol Booster, Paula's Choice 1% Retinol Treatment, Neoretin Discrom Serum, The Ordinary 1% Retinol in Squalane

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Wann sollte man kein Retinol verwenden?

Drei Gründe kann es haben, von der Verwendung von Retinol Abstand zu nehmen.

Drei Gründe auf Retinol zu verzichten
  1. Bestehende Schwangerschaft: Vitamin A kann in hohen Konzentrationen fruchtschädigend sein. Daher sollten Schwangere auch keine Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin A zu sich nehmen. Zwar ist dürfte die Aufnahme von Retinol in den Körper durch retinolhaltige Hautpflegeprodukte verschwindend gering ausfallen, dennoch ist es nicht verkehrt, hier für 9 Monate auf Sicherheit zu setzen.
  2. Fehlende Verträglichkeit: manche Hauttypen vertragen partout kein Retinol. Daher lieber darauf verzichten, Irritationen vermeiden und die Haut stattdessen mit anderen Pflegestoffen versorgen. Wie wäre es zum Beispiel mit Bakuchiol, Vitamin E oder Niacinamide?
  3. Sonnenschutz: Retinol fördert im Bereich der obersten Hautschicht das Ablösen überschüssiger Hornzellen. Das macht die Haut glatter und lässt sie frischer aussehen, da sich das Licht nicht mehr so stark an den abgestorbenen Hautzellen bricht. Gleichzeitig reduziert sich dadurch aber auch der hauteigene Lichtschutzfaktor – man schätzt um etwa 2-5 Punkte auf der SPF Skala. Wer also nicht bereit ist, täglich Sonnenschutz zu tragen, sollte die Finger von Retinol lassen. Denn unterm Strich heben sich schließlich die Anti-Aging Effekte des Retinols und die Pro-Aging Effekte der UV-Strahlung auf.

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Retinol: Was tun bei Irritationen und Nebenwirkungen?

Zunächst sei gesagt, dass durch die Verwendung von retinolhaltigen Produkten keine echten Nebenwirkungen im medizinischen Sinne enstehen. Von Nebenwirkungen wird im Zusammenhang mit Arzneistoffen gesprochen. Im Kontext der Dermatokosmetik handelt es sich eher um „Irritationen“ – gerötete, empfindliche und brennende oder auch stark schuppende Haut. Hier sendet die Haut eindeutige Zeichen: das war zuviel des Guten!

Auch wenn es durchaus Menschen gibt, die trotz aller gebotenen Vorkehrungen und langsamem Herantasten überhaupt kein Retinol vertragen, sind Irritationen meist auf Anwendungsfehler zurückzuführen. Treten aufgrund einer zu intensiven Retinolverwendung also Irritationen auf, so hilft nur eines: Produkt sofort absetzen, Haut vollständig regenerieren lassen und die Anwendungsart-/Häufigkeit kritisch hinterfragen.

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