care | INCI-Wiki (51): Bakuchiol

Retinol und Retinolderivate – zusammengefasst auch unter dem Begriff Retinoide – gehören nicht nur in der medizinischen Dermatologie, sondern längst auch in der kosmetischen Hautpflege zu den beliebtesten Pflegestoffen. Ihre Wirksamkeit sowohl bei der Behandlung von Akne aber auch im Bereich Anti-/Slow-Aging sind vielfach und evidenzbasiert erforscht.

Doch Retinoide sind kein Selbstläufer, die Handhabung sollte mit Bedacht erfolgen: zum Einstieg niedrige Konzentrationen wählen, Anwendung langsam steigern, den eigenen Hautzustand gut beobachten und nicht zuletzt etwas Geduld und Konsistenz an den Tag legen. Denn im Fall von Retinoiden viel hilft nicht auch automatisch viel. Vielmehr ist es eher so, dass wenig über einen langen und dauerhaften Zeitraum sehr viel bessere Effekte erzielt. Dennoch ist der Mensch von Natur aus tendenziell ungeduldig und so werden Retinoide oftmals zu intensiv verwendet. Die Folge: statt Pflegewirkung, Nebenwirkungen – gereizte, gerötete, schuppige und überaus empfindliche Haut. Was eigentlich als Folge einer falschen Anwendung zu sehen ist, wird dann oftmals als fehlende Verträglichkeit interpretiert.

Auch aus diesem Grund wenden sich viele von Retinoiden ab oder suchen gar nach einer Alternative. Jüngstes Beispiel dieser Suche, der Inhaltsstoff Bakuchiol. Es wird als natürliches Retinol, ja sogar „Kräuter-Botox“ betitelt und erfreut sich besonders bei Anwendern, denen „Chemie nicht ins Gesicht kommt“ großer Beliebtheit. Doch kann Bakuchiol wirklich als ernstzunehmende Retinol-Alternative gesehen werden? Wie immer kurz und knapp die Fakten rund um Bakuchiol als Inhaltsstoff in Hautpflege.

Kategorie

Antioxidans

INCI und alternative Namen

Bakuchiol (INCI), (+)-Bakuchiol, Sytenol A, 4-[(1E,3S)-3-ethenyl-3,7-dimethylocta-1,6-dienyl]phenol

Eigenschaften [1]

  • Reduziert das Erscheinungsbild von Fältchen und Hyperpigmentierungen (laut einer doppelblinden randomisierten Studie zum Vergleich von Retinol und Bakuchiol, Downside: niedrige Studienpopulation) [2]
  • Potentiell stimulierend auf die Kollagensynthese (Ergebnisse beruhen auf in vitro Studien an Zellen) [3]
  • Antimikrobiell: hemmt in vitro das Wachstum oraler Bakterien [4]
  • Antioxidative Wirksamkeit [5]
  • Regenerierend
  • Anti-/Slow-Aging Eigenschaften
  • Soll bei Akne wirksam sein
  • Soll den Hautton ebenmäßig gestalten und Hyperpigmentierungen abschwächen

Einsatzkonzentration

0,5-1%

Formulierung

Bakuchiol ist ein sogenanntes terpenophenolisches Phytoöstrogen, im Volksmund auch Pflanzenhormon genannt. Es ist eine gelbliche und eher zähflüssige Substanz, die sich kaum in Wasser, jedoch in Fetten oder Alkoholen lösen lässt. Daher sind bakuchiolhaltige Produkte oftmals auf einer Öl- oder Fettbasis formuliert.

Einsatz in Pflegeprodukten

Bakuchiol ist eine Substanz, die im Bereich der Forschung bereits seit 1973 Einsatz findet. Denn mit Bakuchiol lassen sich im Rahmen von Laborversuchen verschiedene Effekte erzielen. So wirkt es in Versuchen an Zellinien antioxidativ, anti-inflammatorisch, anti-bakteriell und anti-cancerogen. Zudem aktiviert es verschiedene Enzyme, was interessant für die Forschung sein kann, wenn man eben jene Stoffwechselwege untersuchen will. Wie bei jedem anderen Stoff auch, macht auch bei Bakuchiol die Dosis das Gift: hohe Konzentrationen an Bakuchiol wirken cytotoxisch (Zellgift), ein Effekt der sich auf die Hemmung eines für die DNA-Synthese wichtigen Enzyms zurückführen lässt.

Die beobachteten positiven Effekte des Bakuchiols auf zellulärer Ebene haben schließlich den Weg in die Kosmetik geebnet. Was auf Zellebene und im Labor hilfreich ist, könnte doch auch ein potenzielles Target, aka ein Pflegestoff, für die Hautpflege sein. Und so schaffte es Bakuchiol 2007 zum ersten Mal von der Laborbank in die Kosmetik. Vertrieben wurde es übrigens unter dem wohlklingenden Namen Sytenol.

Good to know: Bakuchiol eine Alternative zu Retinol?

Bakuchiol wird in Studien als sogenanntes „funktionelles Analogon“ zu Retinol bewertet [3], denn im Laborversuchen konnte Bakuchiol im Vergleich zu Retinol ähnliche zelluläre Prozesse und Effekte hinsichtlich der Expression bestimmter Gene erzielen (Exkurs: Expression = Ablesung eines Gens, was in der Folge zur Produktion und Aktivierung des dem Gen zurgrundeliegenden Proteins führt). Basierend auf diesen Erkenntnissen bezeichnen die Autoren der Studie Bakuchiol als eine retinoid-ähnliche Komponente mit retinol-ähnlicher Regulation der Genexpression.

Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass Bakuchiol anders als Retinol oder Retinoide in der Haut nunmal nicht zu Retinsäure (Tretinoin) umgebaut wird. Retinsäure ist die eigentlich aktive Wirkform von Retinol bzw. von Retinol-Derivaten. Nur sie bindet an Vitamin A Rezeptoren und setzt so eine ganze Kaskade molekularer Prozesse in Gang, die letztlich auch für die Wirkungen auf die Haut verantwortlich sind. Bakuchiol bindet an keinen der 6 bekannten Vitamin A Rezeptoren, ergo löst es nicht dieselben biologischen Prozesse wie Retinol aus.

Doch auch wenn die Wirksamkeit von Bakuchiol der von Retinol in Zügen durchaus ähnelt: es bleibt ähnlich, aber nicht gleich – sonst wäre es ja der selbe Stoff. Daher wird Bakuchiol niemals ein 1:1 Ersatz für Retinol sein. Dass es aber dennoch hilfreich für die Hautpflege sein kann, das steht auf einem anderen Blatt.

Fun Fact

Das Argument, Bakuchiol agiere als natürlicher/pflanzlicher Ersatz zu Retinol, bietet viel Raum für Augenwischerei, z.B. in Sachen Verträglichkeit. Nur weil etwas als natürlich oder pflanzlich deklariert wird, ist es nicht automatisch verträglicher für die Haut. Oftmals ist sogar das Gegenteil der Fall, so bergen beispielsweise Pflanzenextrakte, ätherische Öle oder andere Naturstoffe hohes Irritationspotenzial und können mitunter Allergien auslösen.

Literaturangaben

[1] Cosmeceuticals and Active Cosmetics, Bakuchiol: A Retinol-Like Functional Compound, Modulating Multiple Retinol and Non-Retinol Targets. 2015, Third Edition, pp.1-18.

[2] Dhaliwal et al., Prospective, randomized, double-blind assessment of topical bakuchiol and retinol for facial photoageing. Br J Dermatol. 2019 Feb;180(2):289-296.

[3] Chaudhuri and Bojanowski, Bakuchiol: a retinol‐like functional compound revealed by gene expression profiling and clinically proven to have anti‐aging effects. Int J Cosmet Sci. 2014 Jun;36(3):221-30.

[4] Katsura et al., In vitro antimicrobial activities of bakuchiol against oral microorganisms. Antimicrob Agents Chemother. 2001 Nov;45(11):3009-13.

[5] Adhikari et al., Antioxidant activity of bakuchiol: experimental evidences and theoretical treatments on the possible involvement of the terpenoid chain. Chem Res Toxicol. 2003 Sep;16(9):1062-9.

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6 thoughts on “care | INCI-Wiki (51): Bakuchiol

  • Sehr sehr interessanter Artikel. Ich hatte bisher noch nie ein Produkt mit Bakuchiol drinnen, aber neugierig wäre ich schon. Bin gespannt, ob dann demnächst haufenweise Bakuchiol-Produkte den Markt überschwemmen werden.

    Liebste Grüße

    • Hallo liebe Julia,

      danke für Dein Feedback, freut mich sehr, dass der Artikel hilfreich für Dich war!
      Tatsächlich bin ich auch gespannt, wie die Kosmetikindustrie hier jetzt nachziehen wird. Es bleibt spannend 😉

      Diese Woche wird noch ein Follow-up Artikel zu diesem INCI-Wiki kommen, in dem ich ein paar Produkte vorstelle, in denen Bakuchiol enthalten ist. Soviel kann ich schon mal sagen: wirklich viele Produkte habe ich bei meiner Recherche nicht gefunden…

      Liebe Grüße,
      Sarah

  • Sehr interessanter Artikel, vielen Dank.
    Ich verwende Bakuchiol parallel zu Retinol. Letzteres in relativ geringer Konzentration (0,5%) bei der abendlichen Pflege und ein Serum mit u.a. Bakuchiol, als Inhaltsstoff am morgen. Damit fahre ich schon seit geraumer Zeit gut und bin sehr zufrieden mit meinem Hautbild, wobei ich die größte Wirkung dem Retinol (und meiner tägl. Sonnencreme) zuschreibe.
    Ich bin trotzdem gespannt ob es in Zukunft weitere Erkenntnisse zu Bakuchiol geben wird.

    • Hallo liebe Isabelle,

      klasse, dass Du hier Deine Erfahrungen teilst. 0,5% Retinol sind schon eine eher mittelstarke Konzentration, damit kann man bei dauerhafter Anwendung schon wirklich schöne Ergebnisse erreichen – was Du ja auch aus Deinen Beobachtungen bestätigst. Und jetzt muss ich natürlich noch meine Neugier befriedigen: was ist das denn für ein Serum, das Du tagsüber verwendest?

      Danke auch für Dein Feedback zum Artikel, ist immer sehr hilfreich für mich, wenn ich zurückgespielt bekomme, dass Leserinne damit etwas anfangen können und es informativ ist 😉

      Liebe Grüße,
      Sarah

      • Tagsüber verwende ich das Serum „Super 16“ von Oskia. Gehört sicherlich nicht zu den günstigen Produkten, aber ich mag es sehr und es tut meiner Haut gut. Es beruhigt / verfeinert das Hautbild und entspannt meine Gesichtszüge. Muss nicht am Bakuchiol liegen, es sind etliche weitere Inhaltsstoffe drin, aber die Gesamtwirkung überzeugt mich.

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