Corona: Verhaltensempfehlungen rund um News, Fake News und Hygienemaßnahmen

COVID-19, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die neuartige Coronavirus-Erkrankung am 11. Februar benannte, hat die Welt fest im Griff. Lange hielten sich Experten zurück und sprachen zumeist von einer Epidemie. Doch spätestens seit März wird auch offiziell von einer Pandemie gesprochen – eine Infektionskrankheit, die sich weltweit ausbreitet und nicht länger regional begrenzt auftritt.

Richtig informieren

Schon recht früh gab es die ersten Fake News zum neuartigen Coronavirus. Bis heute vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht irgendwelche obskuren Nachrichten oder Videos über die sozialen Medien weitergeleitet bekommt. Statt Informationen, wird Halbwissen verbreitet und Panik geschürt. Daher seid kritisch, hinterfragt Quellen, vertraut offiziellen Stellen wie etwa den folgenden:

Jeder von uns trägt Verantwortung

Auch wenn viele sich sicherlich hilflos, mitunter ängstlich fühlen, jede*r Einzelne von uns hat es jetzt in der Hand, aktiv etwas gegen die Ausbreitung des Virus zu unternehmen. Es geht nicht länger darum, die Infektion an sich zu verhindern, vielmehr soll die Zahl der gleichzeitig auftretenden Infektionen reduziert werden. So lässt sich die Belastung auf das Gesundheitssystem minimieren. Krankenhäusern, Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern, Laboren, Apotheken und Hygieneartikelherstellern wird Zeit verschafft. Der Hashtag #flattenthecurve veranschaulicht diesen Ansatz. Es geht darum Bedingungen zu schaffen, die eine umfassende medizinische Versorgung von Erkrankten ermöglicht.

Infografik Verzögerun der Ausbreitung von COVID-19, flatten the curve

#flattenthecurve Maßnahmen, die für jeden Einzelnen von uns selbstverständlich sein sollten

  • Social distancing – soziale Kontakte einschränken und zu Hause bleiben, stattdessen mal wieder telefonieren oder skypen
  • Menschenansammlungen meiden – Kino, Theater, Parties, Bars, just don’t do it!
  • Wo möglich Home Office machen – bei Berufen, in denen das nicht möglich ist: Treffen klein und kurz halten, Abstand zu anderen Menschen, auf Handschläge verzichten
  • Öffentliche Verkehrsmittel meiden – lieber das Rad oder Auto nutzen, zu Fuß gehen
  • Auf nicht notwenige Reisen verzichten – jetzt ist nicht die Zeit für Urlaubsreisen
  • Hilf‘ denjenigen, die Hilfe benötigen – Risikogruppen wie Ältere, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung oder geschwächtem Immunsystem

Auch wenn man selbst gesund und jung ist und im Falle einer Infektion mit allergrößter Wahrscheinlichkeit wieder gesund wird, kann man Überträger des Virus sein. Besonders gefährlich: man muss keine Symptome zeigen, um virulent zu sein. Das heißt, nur weil Du Dich gesund fühlst, bedeutet es nicht, dass Du das Virus nicht auch übertragen kannst.

Diese Hygienemaßnahmen machen Sinn

  • Niesen oder Husten in die Armbeuge oder ein Taschentuch – das Taschentuch anschließend entsorgen.
  • Hände aus dem Gesicht – vermeide es Mund, Augen oder Nase mit den Händen zu berühren.
  • Ausreichend Abstand zu Menschen halten, die Husten, Schnupfen oder Fieber zeigen – vor allem weil wir noch immer mitten in der Grippe- und Erkältungssaison stecken.
  • Berührungen wie Händeschütteln oder Umarmungen vermeiden
  • Regelmäßig und ausreichend lange (mindestens 20 Sekunden) die Hände mit Wasser und einem Reinigungspodukt waschen – vor allem nach dem Husten, Niesen oder Naseputzen.

Die Handhygiene im Detail

Wir alle waschen hoffentlich ohnehin schon regelmäßig die Hände. Sei es vor dem Essen, nach der Toilette, wenn wir nach Hause kommen etc. Das Ganze bitte auch weiterhin beibehalten, vielleicht aber etwas intensiver und häufiger betreiben:

  • Hände befeuchten und einseifen, auch zwischen den Fingern, im Bereich der Fingerspitzen und am Handrücken, den Daumen nicht vergessen!
  • Händewaschen mindestens 20, eher 30 Sekunden

Eine genaue Zahl, wie häufig man sich die Hände waschen soll gibt es natürlich nicht. Vielmehr ist das individuell zu betrachten. Im Zweifel lieber einmal mehr als zu wenig die Hände waschen. Nicht selten kommt man so aber schnell mal auf bis zu 10x Händewaschen am Tag. Das steckt die Haut jedoch nicht immer ganz so gut weg, denn intensives Waschen stört die Hautbarriere. Die Haut wird trocken, rissig und schuppig. Tatsächlich ist es nicht unbedingt ratsam, dies als gegeben hinzunehmen. Rissige Haut ist die optimale Eintrittspforte für Infektionen durch Viren oder Bakterien. Daher ein paar Hinweise dazu, wie man die Hände schützt:

  • Nach dem Waschen die Hände unbedingt abtrocknen. Das entfernt überschüssige Feuchtigkeit und vermindert das weitere Aufquellen von Haut und Nägeln.
  • Anschließend eine Feuchtigkeitscreme verwenden. Diese sollte möglichst ohne Duftstoffe oder Parfum sein. Zudem macht es Sinn auf feuchtigkeitsspendende, regenerierende und barrierestabilisierende Inhaltsstoffe zu setzen (z.B. Glycerin, Panthenol, Ceramide, Cholesterol, Neutralfette).
Hygiene-handpflege-corona

COVID-19: Achtung vor falschen Ratschlägen und Informationen

Nachfolgend habe ich die bekanntesten Falschmeldungen und Fehlinformationmen rund um COVID-19 zusammengetragen. Hier packt mich die blanke Wut. Ganz ehrlich? Wir wissen doch alle: wenn man keine Ahnung hat, einfach mal den Schnabel halten! Wie kommt man auf die Idee, ungeprüft und eigenmächtig so einen Quatsch zu verzapfen?!

Mundschutz

Man sieht nun vielerorts Menschen, die Mundschutz tragen. Nicht nur, dass dadurch die Ressourcen knapp werden, für die die es wirklich brauchen (medizinisches Personal, Vorerkankte). Auch ist es mehr oder weniger sinnlos. Wenn Du gesund bist, gibt es im Grunde nur eine Situation, in der Du wirklich einen Mundschutz benötigst: wenn Du Dich um eine Person mit vermuteter COVID-19 Infektion kümmerst. Ansonsten sollte nur dann eine Maske getragen werden wenn Du krank bist, hustest oder niest. Zudem muss sichergestellt werden, dass gleichzeitig auch weitere Hygienemaßnahmen eingehalten werden, ansonsten ist der Mundschutz nicht wirksam. Und zuletzt: wenn Du eine Maske trägst, stelle sicher, dass Du weißt, wie das korrekt geht und vor allem wie Du sie vorschriftsgemäß zu entsorgen hast! Viel zu oft beobachte ich Menschen, die mit der nackten Hand AUF den Mundschutz fassen – ja gut, dann kann man es auch gleich lassen.

Viel Trinken

Nehmen Sie mindestens alle 15 Minuten ein paar Schlucke Wasser“. Das soll dazu führen, das Virus in den Magen zu spülen, anstatt es in die Lunge gelangen zu lassen. Dieser vermeintliche Tipp verbreitet sich gerade in einem Whatsapp-Kettenbrief, unter Berufung auf japanische Ärzte. Fakt ist aber, ist das Virus einmal im Körper, kann man es durch trinken nicht mehr loswerden.

Corona Selbsttest

Selbsttest auf COVID-19: einfach 10 Sekunden Luft anhalten. Wenn das ohne Beschwerden oder Husten möglich ist, sei das ein Nachweis, dass man nicht mit Corona infiziert ist. Auch hier wieder ein Ratschlag, diesmal legitimiert durch taiwanesische Ärzte. Auch dies ist hochgradig irreführend. Zum einen gibt es keinen Schnelltest auf das neuartige Coronavirus, zum anderen hat nur einer von schätzungsweise 6 Patienten überhaupt Atemprobleme.

Inkubationszeit von COVID-19

Die Inkubationszeit beträgt bis zu 20 Tage, bevor es zum Auftreten von Symptomen kommt“: auch diese Aussage deckt sich nicht mit dem, was derzeit von Wissenschaftlern, der WHO und dem RKI beobachtet wird. Laut offiziellen Angaben – beruhend auf Untersuchungen und Metadatenanalysen – beträgt die Inkubationszeit zwischen einem Tag und 14 Tagen, am häufigsten sind rund 5 Tage.

Ibuprofen und COVID-19

Eine COVID-19 Infektion verschlimmert sich durch die Einnahme von Ibuprofen“: derzeit gibt es keine Studien zu diesem Thema. Auch die aktuell beobachteten Fälle geben keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen erhöhter Sterblichkeitsrate und einer Ibuprofeneinnahme. Grundsätzlich sei an dieser Stelle noch einmal gesagt, dass man ohnehin nicht auf eigene Faust Medikamente einnehmen sollte. Denn jeder Wirkung steht oft auch eine Nebenwirkung entgegen.

Eine COVID-19 Infektion verbessert sich durch die Einnahme von Ibuprofen“: wo es das eine Gerücht gibt, wartet nicht selten direkt das Gegenteil. Auch ein Hinweis darauf, dass es keine gesicherten Daten dazu gibt. Zudem ist die Aussage schlichtweg falsch.

COVID-19 ist eine Biowaffe

Das neuartige Coronavirus wurde biotechnologisch in einem Labor entwickelt und ist eine Biowaffe“: nein, einfach nur nein! Ich habe selbst in der Virologie gearbeitet und kann sagen, dass man da nicht mal eben irgendwas Neues züchtet. Viel mehr möchte man verstehen, wie Viren ticken. Welche Oberflächenmerkmale zeigen sie, wie vermehren sie sich? So kann man im Fall der Fälle besser reagieren. Auch das fand zu Coronaviren in der Vergangenheit statt, denn die Art des Virus ist nicht neu. Vielmehr haben wir es mit einer Virus-Familie (Coronaviridae) zu tun und COVID-19 ist nun eben das neueste Mitglied. Bisher weiß man leider nicht viel über den Neuzugang, jedoch ist das Genom bereits im Januar sequenziert und entschlüsselt worden – ein wichtiger Schritt, um der wahren Herkunft auf die Spur zu kommen.

Diese Liste könnte ich noch ewig weiter befüllen. Doch man sollte diesen Meldungen keine unnötige Bühne geben. Stattdessen der Apell: bleibt kritisch und hinterfragt, lest die richtigen Quellen und lasst Euch nicht verunsichern. Wir tun uns allen einen Gefallen damit, auch weiterhin nicht jedem Strohfeuer glauben zu schenken.


Was bei mir gedanklich mit dem Thema Hygiene und Händewaschen startete, hat sich jetzt doch zu einem ausgewachsenen Post entwickelt. Mir liegen noch viele weitere Aspekte auf der Zunge liegen. Falls es Euch also hilfreich erschien oder Ihr andere Fragen rund um Corona bzw. COVID-19 habt, lasst es mich wissen. Zumindest von einer naturwissenschaftlichen Warte aus kann ich hierzu gerne Aspekte wie aktuelle Forschungergebnisse, Epidemiologie, Pharmakologie oder Biochemie auf das Wesentliche herunterbrechen.

Bleibt gesund und passt auf Euch und Eure Mitmenschen auf!

COVID-19 | #stayathome

3 thoughts on “Corona: Verhaltensempfehlungen rund um News, Fake News und Hygienemaßnahmen

  • Ja, bitte mehr. Man kann gar nicht genug fundiertes Wissen haben. Ich mache mir große Sorgen, weil ich finde, dass unsere Regierung die Sache geradezu sträflich hat schleifen lassen. Ich habe noch Spahn im Januar im Ohr, arrogant lächelnd: Deutschland kann so etwas wie China nicht passieren, unser Gesundheitssystem ist ein völlig anderes, viel zu gut aufgestellt, etc. etc. Und angesichts von Italien noch einmal dasselbe. Sie haben einfach nur zugeguckt, bis wir in dieselbe Situation geraten sind und schon jetzt müssen wir Messehallen zu Hilfslazaretten umfunktionieren und werden vom RKI auf 10 Mio Infizierte vorbereitet! Hätten Sie denn die entsprechenden Maßnahmen denn nicht treffen können, bevor wir die vielen Kranken hatten? Es war doch völlig klar, dass es so kommt, wenn man nichts unternimmt. Jedenfalls brauchen wir angesichts der unzähligen Fake-News und angesichts der unzähligen Idioten, die sich dichtgedrängt vor Eisdielen und immer noch auf Spielplätzen und in Restaurants tummeln, so viele fundierte Informationen wie möglich, liebe Sarah, immer und immer wieder, am besten täglich, vielleicht helfen ja unermüdliche Wiederholungen.

    • Hallo liebe Susanne,

      vielen Dank für Deine ausfühliche Rückmeldung und Deine Gedanken zu dieser Situation!
      Es ist wirklich erschreckend, wie man jetzt immer wieder genau das beobachten kann, was Du beschreibst. Nicht nur, dass wir quasi trotz der Erfahrungen, die man in China und Italien beobachten konnte,jetzt mit ähnlichen Problemen kämpfen. Auch andere Staaten, mit weitaus schlechter aufgestellten Gesundheitssystemen, scheinen den ernst der Lage noch nicht verstanden zu haben und scheinen nichts aus den Learnings der Anderen mitzunehmen…

      Wenn jede*r seiner Verantwortung bewusst ist und endlich auch mal nachkommt, werden wir hoffentlich das ganze gestemmt bekommen. Auf das positive fokussieren, fake news und Panik keine Chance geben! Daher wiederhole ich es gerne auch täglich 😉

      Dir alles Liebe und bleib gesund!
      Viele Grüße,
      Sarah

      PS: der nächste Artikel zu diesem Thema ist bereits online https://eattraincare.de/2020/03/24/woher-kommt-sars-cov-2/

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