care | Skincare Lesson (7): Braucht man eine Augencreme?

In der Marktwirtschaft ist es gemeinhin ja so: die Nachfrage bestimmt das Angebot. Doch trotzdem hat man auch oft genug das Gefühl, es geht auch andersherum und so produzieren Firmen immer mal wieder einen Need, wo eigentlich keiner ist. Dem unbedarften Verbraucher wird suggeriert, dass bestimmte Produkte unbedingt nötig sind. Obwohl man bis dato eigentlich ganz gut zurecht kam, beginnt man nun zu überlegen: „Jetzt da ich so darüber nachdenke… vielleicht könnte ich das Produkt ja doch gebrauchen…“

Eines meiner liebsten Beispiele zu diesen Überlegungen ist das Thema Augencreme. Werbung und Produkttexte zu dieser Produktart lassen keinen Zweifel zu: wer keine Augencreme verwendet, hat die Kontrolle über sein Leben verloren… naja oder zumindest über seine Hautpflege. Da heißt es z.B.: zur Pflege der besonders empfindlichen Haut im Bereich der Augen geeignet. Oder: wirksam gegen Falten, dunkle Augenschatten und Fältchen. Ganz ehrlich, Falten, dunkle Augenschatten und Fältchen das möchte schließlich niemand von uns spazieren tragen.

Wir könnten es jetzt ganz kurz machen, indem ich sage: fast jede Feuchtigkeitscreme lässt sich auch als Augencreme verwenden. End of Story, Augencremes sind überflüssig. Doch darum soll es jetzt nicht gehen, vielmehr darum eine eigene informierte Entscheidung pro/contra Augencreme treffen zu können. Daher widmen wir uns heute also den Fragen danach, was eine Augencreme auszeichnet und ob man eine dezidierte Augencreme in seine Hautpflegeroutine integrieren sollte.

Wofür ist eine Augencreme gedacht?

Zunächst einmal sind Augencremes, wie der Name nahelegt, für die Pflege der Haut rund um die Augen konzipiert. Die Haut in diesem Bereich ist bei den meisten Menschen insgesamt dünner und empfindlicher als im restlichen Gesicht. Das zeigt sich schon allein daran, dass wir in diesem Bereich oft mit Tränensäcken und dunklen Augenschatten zu kämpfen haben. Dadurch, dass das Gewebe dünner ist, fallen Wasseransammlungen (z.B. bei sehr salzreicher Ernährung oder nach Alkoholkonsum) oder Blutgefäße stärker auf. Auch kann es durch die Schwerkraft und fehlendes Stützgewebe zum „Herabsinken“ von Fettzellen kommen, die Folge sind Tränensäcke. Zuedem kann die Haut im Bereich der Augen oftmals etwas trockener sein als im Rest des Gesichts. Das führt dann nicht selten auch dazu, dass sich Fältchen deutlicher bemerkbar machen – höchst dramatisch werden diese Fältchen auch als Krähenfüße bezeichnet.

Aus diesen Beobachtungen heraus ergeben sich für Augencremes somit folgende Hauptanliegen:

  • abschwellender, durchblutungsfördernder Effekt
  • Verbesserung des Feuchtigkeitsgehalts der Haut
  • Stärkung der Hautbarriere
  • Pflege empfindlicher Hautstellen

Was unterscheidet eine Augencreme von einer normalen Creme?

Zunächst einmal sei gesagt, dass eine reizarm formulierte Feuchtigkeitscreme ohne weiteres auch im Bereich der Augen aufgetragen werden kann. Ist das bei Deiner Feuchtigkeitspflege der Fall, kann einfach ein bisschen mehr oder eine zweite Schicht auftgetragen werden. Schon spart man sich ein separates Produkt. Eine reizarme Feuchtigkeitspflege erkennst Du beispielsweise daran, dass auf Alkohol (INCI: Alcohol und Alcohol denat.), Duft-/Parfümstoffe und Konservierungsstoffe mit bekanntem Reizpotenzial verzichtet wird. Enthält die Feuchtigkeitspflege einen UV-Filter (z.B. bei Tagescremes oft der Fall), könnte es sich lohnen genau hinzuschauen. Auch hier gibt es UV-Filter, die im Bereich der Augen eventuell irritierend sein könnten.

Augencremes verzichten in der Regel auf die oben genannten, potenziell reizenden Inhaltsstoffe. Ein weiteres Argument für die Verwendung einer Augencreme findet sich im Bereich der Produkteigenschaft – Stichwort Spreitverhalten. Cremes oder auch Öle mit hohem Spreitverhalten lassen sich leicht auf der Haut verteilen. Eine Eigenschaft, die grundsätzlich nicht verkehrt ist, denn sie steigert die Akzeptanz beim Verbraucher. Nichts ist nerviger, als eine Creme, die sich nur schwer verteilen lässt und auf der Haut ein schweres Gefühl hinterlässt. Allerdings eigenen sich Produkte mit hohem Spreitverhalten nur bedingt für die Pflege im Bereich der Augen. Denn aufgrund ihrer hochspreitenden Eigenschaft gelangen sie leicht in die Augen, was Schleim- und Bindehäute reizen können. Daher werden in Augencremes häufig Feuchthaltemittel und Pflegestoffe formuliert, die sich durch ein niedriges Spreitverhalten auszeichnen.

Gängige Inhaltsstoffe in Augencremes

  • Natürliche Feuchthaltefaktoren (NMFs)
  • Feuchthaltemittel (Humectants)
  • Proteine, Proteinhydrolysate, Peptide, Aminosäuren
  • Hyaluronsäure, Kollagen oder Silikon (Cyclopentasiloxane, Dimethicone zur optischen Glättung von Fältchen, Falten oder Krähenfüßen)
  • Antioxidantien, wie z.B. Vitamin A oder Vitamin E
  • hautberuhigende Stoffe, wie z.B. Panthenol, Aloe Vera, Kamille, grüner Tee
  • abschwellende und durchblutungsfördernde Stoffe, wie Koffein oder Epigallocatechin Gallatyl Glucoside (ECGG)
  • Inhaltsstoffe mit aufhellenden Eigenschaften wie z.B. Acetyl Glucosamine, Niacinamide oder ECGG

Wann kann es Sinn machen eine Augencreme zu verwenden?

3 Gründe, weshalb es Sinn machen kann, eine Augenpflege zu verwenden

Wie bereits Eingangs erwähnt, ist bei Verwendung einer reizarmen und mild formulierten Tagescreme der Bedarf einer Augencreme meist nicht gegeben. Dennoch kann es Szenarien geben, die eine Augencreme sinnvoll erscheinen lassen:

Augenringe, Tränensäcke, dunkle Augenschatten

Augenringe, Tränensäcke oder dunkle Augenschatten sind oftmals genetisch veranlagt. Das bedeutet, mit Hautpflege allein wird man an dieser Stelle keine Wunder erwarten dürfen. Jedoch kann Pflege unterstützend wirken. Sei es durch die Verwendung von Produkten, die die Durchblutung anregen, die Melaninproduktion hemmen, den Hautton ausgleichen oder feuchtigkeitsspendend wirken. Weitere Maßnahmen spielen sich außerhalb des Kosmetikschranks ab und zielen auf eine möglichst salzarme Ernährung, ausreichend Schlaf sowie einen möglichst niedrigen Alkoholkonsum.

Falten und Fältchen

Anzeichen der Hautalterung enstehen in erster Linie durch UV-Strahlung. Meist zeigt sich das nicht unmittelbar, aber spätestens Anfang/ Mitte 40 erkennt man sehr genau, wer sich in der Vergangenheit um seine Haut gekümmert hat. A und O jeder Anti-Aging Pflege ist daher die Verwendung eines Sonnenschutzes. Da die Haut um die Augen oftmals sensibel auf synthetische UV-Filter reagiert, werden in Augencremes häufig Filter mit möglichst niedrigem Reizpotential formuliert, wie etwa die physikalischen Filter Titandioxid und Zinkoxid. Zudem ist bei starker Sonneneinstrahlung das Tragen einer Sonnenbrille kein reines Accessoire, vielmehr bietet sie einen zuverlässigen Schutz vor UV-Strahlung.

Da trockene Haut das Erscheinungsbild von Falten und Fältchen betont, enthalten spezielle Augencremes häufig einen hohen Anteil an hydrierenden Inhaltsstoffen.

Zufuhr bestimmter Pflegestoffe

Wer hier fleißig mitliest, wird inzwischen verinnerlicht haben, dass bestimmte Pflegestoffe die Haut festigen können, indem sie sich etwa positiv auf die Kollagen- und Elastinbiosynthese auswirken. Kollagen und Elastin sind wichtige Strukturproteine der Haut, die für Festigkeit und Elastizität sorgen. Mit dem Alter oder auch unter Einfluss von oxidativer Schädigung (Sonnenlicht, Rauchen, Alkohol,…) nehmen die Kozentrationen dieser beiden Strukturproteine ab. Vitamin C und Vitamin A sind bekannt dafür, hier unterstützend zu wirken. Doch oftmals eignen sich gängige Vitaminseren nicht unbedingt für eine Verwendung rund um die Augen. So kann etwa der pH-Wert zu sauer und damit potenziell reizend sein oder die Derivate der beiden Vitamine sin schlichtweg zu potent. Um dennoch nicht auf diese beiden Powerpacks verzichten zu müssen, werden bei Augencremes häufig Formulierungen mit hautneutralen pH-Werten gewählt. Zudem finden sich Vitamin C und Vitamin A oftmals nicht in ihrer Reinform, sondern als Derivate, die ihre Wirksamkeit nur langsam entfalten. Beispiele gefällig?!

  • Vitamin C: statt Ascorbic Acid etwa Ascorbyl Tetraisopalmitate, Ascorbyl Palmitate oder Magnesium Ascorbyl Phosphate
  • Vitamin A: statt Retinol etwa Retinyl Palmitate, Retinyl Acetate oder Hydroxypinacolone Retinoate

Fazit: Braucht man eine Augencreme?

Nach Lektüre dieses Textes lässt sich die Eingangsfrage wohl mit einen klaren JEIN beantworten. Eine pauschale Empfehlung für oder wider Augenpflege kann man im Grunde kaum abgeben, ohne gleichzeitig einen Blick auf die Pflegeroutine im Ganzen zu werfen. So kann beispielsweise der Moisturizer bereits ausreichend sein, genausogut lassen sich mit einem separaten Produkt jedoch eventuell gezielte Bedürfnisse adressieren. Hautpflege bleibt – zum Glück – ein individuelles Thema. Es geht dabei weniger um Regeln, sondern folgt vielmehr den persönlichen Anforderungen und Vorlieben an die eigene Hautpflege.

Aktuell habe ich mal wieder eine Augenpflege mit in meiner Routine, doch tatsächlich ist es eher Spielerei als wirklicher Need. Daher ist es gut möglich, dass das Produkt sang- und klanglos wieder aus meiner Routine verschwindet, ohne dass ich es groß vermissen werde. Wie ist das bei Dir – Team Augencreme oder Team „Geht auch ganz gut ohne„?

care | understanding skincare

9 thoughts on “care | Skincare Lesson (7): Braucht man eine Augencreme?

    • Hallo liebe Yvonne,

      ich glaube, nachdem nun doch so viele Nachfragen zu diesem Thema kamen, werde ich einen separaten Post dazu aufsetzen 😉
      Welche Art von Augenringen hast Du denn? Sind es eher Schwellungen oder erscheinen sie dunkel?

      Viele liebe Grüße,
      Sarah

  • Hallo, bei mir wechselt es auch immer. Manchmal verwende ich eine Augencreme, manchmal auch nicht. Als meine letzte leer war habe ich z. B. keine nachgekauft, zumal die echt teuer sind im Verhältnis zum Inhalt. Welche verwendest du? Und kannst du Produktbeispiele geben, z.B. auch speziell gegen Augenringe und Schwellungen? Am meisten würde mich allerdings eine mit LSF interessieren. Kenne da nämlich keine und meine Sonnencreme reizt leider meine Augen, so dass ich den Bereich immer auslasse. LG Doro

    • Hallo liebe Doro,

      stimmt, die Cremes sind oftmals vergleichsweise teuer… und solange ich persönlich nicht den Eindruck habe, dass sie bei mir einen riesen Unterschied machen, verzichte ich meist auch darauf bzw. verwende meinen Moisturizer recht großzügig. Aktuell teste ich eine Augencreme von einem kleineren Hersteller. Da ich aber erst seit ca. 4 Wochen dabei bin, will ich noch nicht wirklich etwas dazu sagen… zumal es glaub ich nicht das Gelbe vom Ei ist 😉
      Allerdings mochte ich z.B. immer sehr gerne die Urea Augenpflege von Balea (DM) und auch die Auchencreme der Hyaluron-Serie war nicht verkehrt. Nach einer mit LSF müsste ich selber noch einmal genauer nachschauen. Aber da tatsächlich einige Rückfragen zu diesem Thema kmen, setzte ich mich die Tage an einen Post mit Empfehlungen. Da werde ich dann gerne auch eine Kategorie „Augencremes mit LSF“ aufnehmen 🙂

      Viele liebe Grüße,
      Sarah

  • Hallo! Ich denke auch dass eine Augencreme überflüssig ist. Ein leichtes Anti-Aging-Serum mit Hyaluron und ohne hochspreitende Öle funktioneirt genauso gut.
    Für die Augencremes gelten übrigens auch strengere mikrobiologischen Grenzen… So darf eine Gesichtscreme etwas mehr Keime enthalten.
    „So kann etwa der pH-Wert zu sauer und damit potenziell reizend sein oder die Derivate der beiden Vitamine sin schlichtweg zu potent.“ – das mit dem pH-Wert bereitet mir auch einige Sorgen. Hautneutraler pH-Wert ist sauer. Der Augenbereich ist empfindlicher und einige (medizinische) Augenprodukte, Augentropfen oder Augen-Make-Up-Entferner werden basisch konzipiert. Denkst Du, dass man bei der Augen-Make-Up-Reinigung zu den basischen Produkten greifen soll? Ich habe hier keine endeutige Antwort gefunden…Vielleicht hast Du hier einen guten wissenschaftlichen Rat? Danke!

    • Hallo liebe Jola,

      wow, klasse, vielen Dank für Deinen hilfreichen und interessanten Input bezüglich der Keimgrenze. Das wusste ich noch gar nicht und habe ich mir direkt für weitere Recherchen notiert!

      Stimmt, das mit dem pH-Wert ist ein spannender Punkt. Tatsächlich kann ich hier auch keine eindeutige Einschätzung abgeben. Einige vertreten ja auch die Meinung, man könnte die Haut durch Pflege oder Waschen ohnehin im pH-Gleichgewicht nicht maßgeblich stören, andere wiederum vertreten genau die gegenteilige Meinung. Ich persönlich würde vermutlich das eigene Hautgefühl entscheiden lassen. reizt etwas offensichtlich, dann lässt man es weg, kommt man mit einer prinzipiell milden Reinigung gut zurecht, wird es auch irgendwo das richtige sein. Alles in allem habe ich es bis dato tatsächlich noch nie geschafft, mit einem per se milden reiniger, meine Augenpartie zu reizen.

      Das Theme basische Reinigung bzw. basisch formulierte Augenprodukte interessiert mich jetzt aber schon – da schaue ich direkt mal ein bisschen in die Literatur (gerne kann ich dann über die Ergebnisse berichten falls gewünscht?!). Danke nochmal für den Input!!

      Viele liebe Grüße,
      Sarah

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