care | INCI-Wiki (48): Peptide

In einem bereits etwas älteren INCI-Wiki zu Matrixyl3000 haben wir die Thematik „Peptide“ bereits kurz angerissen. Daher recycle ich Teile aus dem INCI-Wiki hier kurzerhand mal für die Einleitung:

Peptide bezeichnen kurze Aminosäureketten, wie sie auch in unserem Körper zu finden sind. Im menschlichen Stoffwechsel können 23 verschiedenen Aminosäuren zum Aufbau verschiedener Peptide verwendet werden. Aufgrund der vielen Möglichkeiten diese 23 Aminosäuren miteinander zu kombinieren, kann man sich leicht vorstellen, dass die Gruppe der Peptide unendlich groß und divers ist.

Im Körper gibt es unzählige Peptide mit mindestens genauso unzähligen und diversen Aufgaben. Einige Peptide erfüllen als Peptidhormone beispielsweise wichtige Aufgaben im Signalstoffwechsel (z.B. Insulin oder die Schilddrüsenhormone), können Entzündungen fördern oder diese hemmen, antibiotisch oder antiviral wirken, als Strukturelemente fungieren etc. Die Funktionen und Eigenschaften der jeweiligen Peptide sind mitunter gut erforscht, daher war es nur eine Frage der Zeit: Weshalb sollten Peptide nicht auch in der Hautpflege Anwendung finden?!

Wenn man auf einem Pflegeprodukt den Vermerk auf „Peptide“ findet, ist das zwar schön, aber wie ihr spätestens jetzt wisst, gibt es Millionen von Möglichkeiten ein Peptid aufzubauen. Die alleinige Angabe „Peptide“ sagt also nichts über die Wirksamkeit aus, dafür muss schon etwas mehr Information her.

https://eattraincare.de/2016/09/14/inci-wiki-16-matrixyl3000/

Der folgende Beitrag zu Peptiden ist allgemeiner Natur und soll sich mit dem Einsatz von Peptiden in Hautpflege auseinander setzen.

Kategorie

In Kosmetika: Inhaltsstoffe mit diversen potentiell hautpflegenden Eigenschaften, die oftmals auch als Cosmeceuticals bezeichnet werden, da sie einen Grenzbereich zwischen Kosmetika (cosmetics) und pharmazeutischen Wirkstoffen (pharmaceuticals) adressieren sollen [1, 2].

Auswahl gängiger Peptide in Hautpflegeprodukten

  • Acetyl Dipeptide-1
  • Acetyl Hexapeptide-1
  • Dipeptide Diaminobutyroyl Benzylamide Diacetate (SYN-AKE)
  • Myristoyl Pentapeptide-17
  • Palmitoyl Dipeptide-10
  • Palmitoyl Oligopeptide
  • Palmitoyl Pentapeptide-4
  • Palmitoyl Tetrapeptide-7
  • Palmitoyl Tripeptide-1
  • rh-Oligopeptid-1
  • Tetrapeptide-10
  • Tripeptide-1

Wirkungen

Je nach Art des Peptids werden verschiedene Wirkungen postuliert. Diese „Wirkversprechen“ leiten sich hauptsächlich von Beobachtungen aus in vitro Experimenten ab. Das bedeutet, dass die fraglichen Peptide in Kontext von Zellkulturen getestet wurden. Ein Modellsystem, das durchaus Daseinsberechtigung hat, erlaubt es doch grundlegende Erkenntnisse und Beobachtungen. Der direkte Transfer dieser Erkenntnisse auf die tatsächlich ablaufenden Prozesse im menschlichen Körper bzw. der Haut ist jedoch selten möglich. Abgesehen von der fehlenden Übertragbarkeit von Ergebnissen in vitro auf in vivo, sehe ich vor allem zwei Punkte problematisch: erstens entstammen viele der derzeit publizierten Studien zu Peptiden oftmals der Feder des jeweiligen Herstellers, zweitens weisen sie häufig ein fragwürdiges Studiendesign auf, das den Maßstäben klinischer Studien nicht ansatzweise nahe kommt.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf werfen wir nun mal einen Blick auf ein paar der möglichen Wirkungen von Peptiden in Hautpflegeprodukten (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

  • festigen die Haut (durch Stimulation der Kollagensynthese [3])
  • erhöhen die Elastizität der Haut
  • reduzieren feine Linien und Falten
  • mildern Lichtschäden und Hyperpigmentierungen
  • manche Peptide verfügen über antioxidative Eigenschaften [4]
  • entzündungshemmend, antiviral, antibiotisch
  • regen die Regeneration der Haut an

Einsatzkonzentration

Peptide werden in verschiedenen Einsatzkonzentrationen formuliert. Man findet auf dem Markt durchaus Produkte mit Peptidkonzentrationen von 3-10%. Sicherlich häufiger – und für Hersteller somit deutlich günstiger – sind jedoch Konzentrationen in Bereichen > 1%.

Good to know

Der Körper verfügt über verschiedene Abwehrssysteme zum Schutz vor Bakterien, Viren und Schadstoffen aller Art. Eines dieser Systeme ist darauf spezialisiert, fremde Proteine und Peptide zu erkennen. Wer 1 und 1 zusammenzählt, weiß bereits, worauf ich hinaus will: einfach mal so Peptide in den Körper oder die Haut zu bringen wird vermutlich recht schnell in deren Abbau resultieren – damit stelle ich mir Hautpflegeprodukte mit Peptiden oftmals wie einen Proteinshake vor: liefert körpereigene Bausteine, die jedoch schnell verstoffwechselt und wiederverwertet werden.

Das alles geschieht natürlich unter der Voraussetzung, dass topisch zugeführte Peptide überhaupt erstmal die Hautbarriere überwinden. Denn das wird das eigentliche Problem sein. Peptide sind für die Maßstäbe der Haut nämlich große und sperrige Substanzen, die von selbst die Haut nicht penetrieren werden.

Formulierung

Das Thema Hautpenetration von Peptiden nimmt entscheidenden Einfluss auf die Formulierung geeigneter Hautpflegeprodukte. Um überhaupt ansatzweise eine Penetration der Haut zu ermöglichen, sollten entsprechende Trägerstoffe, Penetrationsförderer oder auch Methoden der Verkapselung angewendet werden. Doch wo das im Labor durchaus möglich ist, eignen sich diese Methoden nicht immer auch zwangsläufig im Kontext der Hautpflege. Hier bedarf es noch einiges an Forschungsarbeit.

Fazit

Peptiden werden ganz allgemein gesprochen hautpflegende Eigenschaften nachgesagt. Wie auch immer das im Detail und schließlich in der Praxis aussehen mag, man sollte sich bewusst machen: Peptide sind keine Wundermittelchen. Um eine Wirkung zu entfalten, müssen sie zum einen tief in die Haut eindringen – dies ist für Kosmetika per se schon recht unwahrscheinlich und zudem auch gewollt, schließlich handelt es sich um kosmetische Pflegestoffe und nicht etwa um pharmazeutische Wirkstoffe. Zum anderen, müssen Peptide dem recht schnell einsetzenden Abbau widerstehen, denn im Körper gibt es eine Vielzahl von Enzymen, die den lieben langen Tag nichts anderes machen, als Proteine und Peptide in Aminosäuren zu zerlegen. Und wäre das nicht schon genug, ist diese Enzymaktivität individuell verschieden – will heißen: ist die Aktivität dieser Enzyme recht hoch, wird auch das Peptid schnell gespalten und damit ist jede antizipierte Wirkung auch futsch.

Dennoch gibt es Peptidseren, die von Anwendern in ihrer Wirkung als durchaus positiv bewertet werden: ruhigeres Hautbild, Milderung von Fältchen, gesteigerte Elastizität oder etwa verbesserte Feuchtigkeit. Das alles kann man jetzt natürlich den Peptiden zuschreiben, es kann aber auch einfach das Zusammenspiel einer insgesamt stimmigen und pflegenden Formulierung sein. Denn ohne Frage, nur auf eine Karte zu setzen lohnt sich selten. Stattdessen tummeln sich in den meisten Peptidseren auch viele Superstars der Hautpflege: Panthenol, Hyaluronsäure, Allantoin, Glycerin etc.

Literaturangaben

[1] Lupo, Cosmeceutical peptides. Dermatol Surg. 2005 Jul;31(7 Pt 2):832-6; discussion 836.

[2] Lupo, Cosmeceutical peptides. Dermatol Ther. 2007 Sep-Oct;20(5):343-9.

[3] Choi, H.R. et al., Stem cell recovering effect of copper-free GHK in skin. J Pept Sci, 2012;18(11): 685–690.

[4] Beretta, G. et al., Acrolein sequestering ability of the endogenous tripeptide glycyl-histidyl-lysine (GHK): characterization of conjugation products by ESI-MSn and theoretical calculations. J Pharm Biomed Analysis, 2008;47(3):596–602.

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